Aktuelles

Heute ist der fünfte und letzte Tag meines kleinen Gewinnspiels und in der kleinen Leseprobe findet ihr auch den Textschnipsel wieder (22.März)

  Ich machte mich auf die Suche nach meinem Verlobten. Nach einer Weile fand ich ihn – allein auf dem Balkon. Raffaels Haltung wirkte steif, unnahbar. Er hielt sich krampfhaft an einem Glas Rotwein fest. Den Blick permanent auf das funkelnde Sternenzelt gerichtet.

  Leise trat ich heran, schmiegte mich an seinen Rücken und schlang meine Arme um seine Hüften. Wir verharrten dort für einen Hauch der Ewigkeit. Harmonie der Sinne und der Gedanken. Synchronisation der Atemzüge – verschmolzen im Hier und Jetzt. Bis ich kurz, nur ganz kurz, das Echo der Melancholie empfing, das er sorgsam vor mir versuchte abzuschirmen. Für einen winzigen Augenblick erhaschte ich einen Blick auf die Bürde, die er sich aufgeladen hatte. Es schimmerte nur leicht in meinen Gedanken auf, wie das Licht einer Kerze, die jemand gedankenlos in den Wind gestellt hatte. Eine Sekunde der Erleuchtung, schnell vom Luftzug gelöscht. Dann war es vorbei.

  „Was bereitet dir Sorgen, Liebster?“, fragte ich sanft. „Einmal abgesehen von dem Kampf, der uns bevorsteht.“

  Raffael schob zärtlich meine Arme beiseite und drehte sich zu mir um. „Der Kampf, natürlich, mein Engel.“

  Ich schüttelte leicht den Kopf und verdrehte die Augen entnervt gen Himmel. „Das allein ist es doch nicht, also …“ Den Rest des Satzes ließ ich unvollendet im Raum stehen. Sein Blick suchte den meinen und er fasste mich an den Armen. Plötzlich brach es aus ihm heraus. Wie ein Sturzbach, der viel zu lange aufgestaut war, platzten seine Worte in die Stille.

  „Was mir Sorgen macht, fragst du mich? Ich mache mir Gedanken um jeden Einzelnen, der dort unten in der Halle ist, bereit für uns ihr Leben zu lassen. Um zu sterben, damit wir unsere Unschuld beweisen können. Ich frage mich immer und immer wieder: Ist es das wert? Ist nicht jedes einzelne Leben dort unten weit mehr wert als dieser Kampf?“

  Ich fegte seine Hände von meinen Oberarmen und trat einen Schritt zurück. Ich erwiderte seinen Blick mit einer Festigkeit, die tief aus meinem Inneren hervorgeschwemmt wurde. „Wenn du tatsächlich der Meinung bist, diese Menschen, unsere Freunde, haben sich nur deshalb dort versammelt, solltest du tatsächlich hinuntergehen und das Ganze abblasen. Ich sage dir jedoch: Sie sind da, weil der Gedanke, dieser tyrannische Blutsauger könnte die Herrschaft über die gesamte Welt übernehmen, sie nicht mehr schlafen lässt. Sie sind da, um dieser Kreatur der Nacht den Kampf anzusagen. Sie sind da, um Dexter ein für alle Mal den Garaus zu machen. Dafür, mein Liebster, dafür sind sie dort, um gemeinsam mit uns, diesen Kampf zu gewinnen und dafür sind sie bereit, ihr Leben zu lassen. Dafür, Raffael, dafür.“

Aus Schattenzeichen. Eine Frage des Gewissens.

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Am vierten Tag gibt es wieder eine weitere „Leseprobe“ zu dem Textschnipsel zu der heutigen Gewinnspielfrage (21. März):

  Ich stand eine endlos erscheinende Zeit vor der Tür. Vor der Tür, hinter der sich Raffael befand. Ich fühlte mich, als risse meine Seele entzwei. Mein Herz wurde wie magisch vor Sehnsucht nach meinem Vertrauten angezogen. Gleichzeitig hielt mich die Angst vor der Gewissheit seines Zustandes fern. Ich verspürte eine vage Vorstellung, was mich dort erwartete und ich konnte nicht sagen, dass ich mich auf diese Konfrontation freute. Offen gestanden graute mir vor der Begegnung mit Raffaels Familie und das aus gutem Grund. Zornige Stimmen erfüllten den Raum hinter der schützenden Tür. Die dichte Atmosphäre aus Trauer, Verzweiflung, Leid und Wut, drang durch jede kleine Ritze und schlug mir entgegen wie eine undurchdringliche Wolke. Ich holte tief Luft und betrat das Zimmer, ohne angeklopft zu haben. So oder so war die Reaktion wie vorhergesehen. Die laute Diskussion war bei meinem Eintritt wie abgeschnitten. Eine Eiseskälte schwappte mir entgegen.

Dieses Mal aus Schattenzeichen: Meine Hauptprotagonistin Kate hat Angst vor der Reaktion von Raffaels Familie.

 

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Auch heute wieder eine kleine Leseprobe zu meinem heute geposteten Textschnipsel zu der Gewinnspielfrage. (20. März)

Ich versuchte unwillkürlich, auf Händen und Füßen, rückwärts vor ihm davon zu rutschen, aber natürlich war eine Flucht erstens wenig erfolgversprechend und zweitens nicht besonders überzeugend, hatte ich mich diesem Körper vor nicht einmal einer halben Stunde in der Küche doch bereits an den Hals geworfen. Sie endete dann auch schon nach gut einem Meter, nämlich indem sich mir die Sofalehne unangenehm schmerzhaft in den Rücken bohrte. Raffael ließ sich direkt vor mir auf die Knie sinken und rahmte meinen Körper mit seinen Armen ein. Ich blinzelte ihm entgeistert entgegen, seine Drohung von gestern Nachmittag ging mir in diesem Moment irgendwie nicht aus dem Kopf. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass er wahr machen würde, was er mir angekündigt hatte. Anscheinend nahm er seine Ankündigung durchaus wörtlich. Ich hatte im Übrigen, nur um das Ganze einmal klarzustellen, absolut nichts gegen Betten einzuwenden. Wie es jedoch aussah, würden wir es nicht mehr bis dorthin schaffen. Ich konnte mich nicht von diesem grandiosen Anblick losreißen, den mir mein Liebster bot. Mein Blick verfolgte die Linie seines dunklen Haarflaums, bis sein Hosenbund meiner Sicht und damit meiner Neugier, Einhalt gebot. Meine Augen suchten seinen Blick, obwohl mir mein Verstand zum wiederholten Mal zu erklären versuchte, dass ein derartiges Unterfangen vielleicht nicht gerade intelligent wäre. Ich hatte schließlich noch nie einen gesteigerten Bedarf an logischen Reaktionen gehabt. Der Blick in seine leuchtenden Augen machte mich bereit zur bedingungslosen Kapitulation. Ich verbrannte meine Flagge, übergab meine Waffen und es fühlte sich richtig an. Richtig und verdammt gut. Seine Lippen berührten meine Stirn, meine Augenlider, meinen Mund und die Welt um mich herum versank. Das letzte, was noch bewusst meine Sinne berührte, war der Gedanke, dass ein Bett wirklich absolut überbewertet wurde.

Und richtig, dieser Textfetzen stammt aus Im Zeichen von Licht und Schatten und kündigt ein erotisches Intermezzo an.

 

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Nun und auch heute der etwas ausführlichere Text zu meinem heute geposteten Textschnipsel zu der heutigen Gewinnspielfrage (19.März)

. Der Vampir setzte sich auf seinen Fersen zurecht und betrachtete zufrieden diesen zerschundenen Körper. Blut tropfte ihm von den Lippen, die sich zu einem brutalen Grinsen verzogen, aber noch hatte er nicht genug, seine Sinne waren erhitzt und das Blut pochte verzehrend in seinen Lenden. Er zog die Menschenfrau wieder zu sich heran, spielerisch leicht wie eine Puppe. Seine Lippen und seine Hände lösten seine Fangzähne in ihrer Funktion ab. Entsetzt verfolgte die Frau die Wandlung der Dinge. Sie hatte keine Chance gegen die sinnlichen Kräfte dieses mächtigen Vampirkriegers. Sie schluchzte beschämt und vollkommen außer sich auf, als ihr gepeinigter Körper trotz der Todesnähe und der unerträglichen Schmerzen lustvoll auf diese begierigen Berührungen reagierte. Immer wieder brachte ihr Bezwinger sie in immer höhere Sphären und ein Höhepunkt nach dem anderen erschütterte ihre miteinander verschlungenen Körper. Dann war es vorbei. Der Jäger genoss es, als der Körper unter ihm wie in einem stillen Akt der Hingabe in seinen Armen zuerst erstarrte, dann vollständig erschlaffte und der Hauch des Lebens wich. Bewusstlos sank sie zu Boden. Unwillig zog er seine Fangzähne, die er nochmals in den Hals seines Opfers geschlagen hatte, zurück. Leider musste er eine Pause einlegen, damit seine Beute wieder neue Kräfte schöpfen konnte, schließlich hatte er nicht vor, dieses köstliche Spiel vorzeitig zu beenden.

Diese kleine Leseprobe stammt aus Im Zeichen von Licht und Schatten und beschreibt die grausamen Bedürfnisse des Schattenfürsten Dexter.

 

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Und hier die erste kleine Hilfestellung in Form einer Leseprobe zu der heutigen Gewinnspielfrage (18.März)

  Sie erwachte, als ihr etwas Raues, Feuchtes über das Gesicht fuhr. Ihre Hände gehorchten ihr noch nicht wie gewohnt und so brachte sie nur ungeschickte Abwehrbewegungen zustande, die anscheinend vollkommen unzureichend waren. Also öffnete sie mühsam ein Auge und zuckte erschrocken zusammen. Ihr Versuch sich aufzusetzen, wurde erheblich durch ein massiges Gewicht behindert, das sich auf ihren Brustkorb stemmte. Erfreut über dieses leicht unbefriedigende Lebenszeichen, stieß der Besitzer dieser geschätzten sechzig Kilogramm Lebendgewicht ein zufriedenes Bellen aus. Spirit hatte demnach ebenfalls den Weg aus dem Flammeninferno gefunden. Alessandra hob leicht ihren Kopf an und sah sich um. Sie hatte es nicht wirklich weit gebracht. Rousseaus Anwesen befand sich in unmittelbarer Nähe und brach just in diesem Moment wie ein Kartenhaus in sich zusammen. Die Vampirin schob entschlossen den schweren Hundekörper von sich herunter und schimpfte laut – sofern man das, was ihre geschädigten Stimmbänder herausbrachten, überhaupt noch als hörbar bezeichnen konnte. „Du Riesenmistvieh“, krächzte sie mühsam. „Wirst du wohl von mir runtergehen. Los, verschwinde.“

  Unter heftigen Schwierigkeiten gelang es ihr, sich auf den Bauch zu wälzen. Was sie jedoch augenblicklich bereute. Ihr wurde speiübel und sie musste sich übergeben. Ihr Schädel dröhnte wie eine Glocke und Schwindel übermannte sie. Die Bilder vor ihren Augen verschwammen. Sie kniff mehrfach die Augenlider zusammen, um wieder sehen zu können. Endlich hörte die Grasfläche, auf der sie gelandet war, auf, sich wie ein Karussell zu drehen. Alessandra war beunruhigt. Ihre Teleportfähigkeiten hatten noch niemals diese Auswirkungen auf sie gehabt. Allerdings stellte der Sprung unter dieser Belastung auch eine Premiere dar. Vorsichtig hob sie ihren Kopf. Nachdem diese Bewegung keine Probleme bereitete, setzte sie sich langsam auf. Zaghaft tastete sie ihren Körper ab – es schienen alle Körperteile mitgekommen zu sein und sich, was das Wichtigste war, auch wieder an ihrem angestammten Platz zu befinden. Mit schmerzverzerrtem Gesicht erhob sie sich und sah sich um. Einige Meter entfernt erblickte sie einen Körper, der wie leblos im hohen Gras lag. Ihr Herz stockte, nur um wenige Augenblicke später wie ein Dampfhammer in ihrer Brust zu pochen. Sie setzte sich in Bewegung. Erst zögerlich, dann immer schneller, bis sie den in sich zusammengesunkenen Mann erreichte. Alessandra rutschte neben ihm auf die Knie und drehte ihn um. Es war Nicolas. Sie beugte sich über ihn und sah erleichtert, dass sich seine Brust hob und sank. Er war also noch am Leben. Und sie suchte weiter.

  Dann sah sie ihn. Schon lange bevor sie bei ihm sein konnte, spürte sie, dass er es sein musste. Er lag mit dem Gesicht nach unten im Schlamm. Er regte sich nicht. Sie schluckte schwer und verlangsamte ihre Schritte. Schließlich hielt sie inne. Dort drüben lag ihr Mann und sie verging vor Angst. Solange sie hier stehen blieb, bestand noch Hoffnung. Diese Hoffnung würde da sein, in ihr wohnen, solange es keine Gewissheit gab. Sie hatte sich immer als mutige Frau bezeichnet. Das Glück ist mit den Mutigen. Was aber wäre, wenn einen die Feigheit hinterrücks überfällt. Wenn sie sich einnistet im Geist, in der Seele? Wie ein Krebsgeschwür, das sich festbeißt? Hatte sie versagt? War sie zu spät gekommen? Sie senkte den Kopf und atmete tief ein und wieder aus. Setzte zögernd einen Fuß vor den andern. Blieb erneut stehen. Sie musste daran denken, was ihre Großmutter einst gesagt hatte: Mutig ist nicht derjenige, der keine Angst kennt und in den Kampf zieht. Nur derjenige, der um seine Ängste weiß und trotzdem der unabwendbaren Gefahr ins Auge sieht, ist ein mutiger Mensch.

  Sie schloss für einen Moment die Augen, und als Alessandra sie wieder öffnete, war es, als sei ein Damm gebrochen. Ihre Schritte beschleunigten sich, bis sie schließlich rannte. Sie fiel neben ihrem Mann auf die Knie, drehte ihn vorsichtig auf den Rücken und hob sanft seinen Kopf in ihren Schoß. Er lag still da. Ohne Lebenszeichen. Keine Atmung bewegte seinen Brustkorb. Eine dunkelrote Strähne seines zum Großteil versengten Haares war ihm über die Augen gefallen. Zärtlich strich sie ihm die Locke aus dem Gesicht. Ihre Tränen netzten seine Wangen.

Diese kleine Leseprobe stammt aus Schattenzeichen und beschreibt Alessandras Teleporterfähigkeiten.

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Im Rahmen der Berlin Buchmesse wird es bereits am Freitag Abend „bissig“. Die beiden Vampirroman-Autorinnen

Heike Rissel und Sandra Florean haben sich zu einem „Abend mit Biss“ zusammen getan und entführen in ihre Welten der

Vampire und anderer übernatürlicher Wesen.


Gerade für Vampirfans ein Muss, aber auch Thriller/Krimi-Freunde werden auf ihre Kosten kommen

Beginn: 19 Uhr
Eintritt: 3 Euro

Heike Rissel
Fantasyautorin aus dem norddeutschen Raum mit dem Hang zu Vampirgeschichten. „Im Zeichen von Licht und Schatten“        sowie „Schattenzeichen“ stammen aus ihrer Feder.

Sandra Florean
Die Kieler Phantastik-Autorin ist vor allem für ihre „Nachtahn“-Reihe bekannt und hat mittlerweile mehrere Bücher  in unterschiedlichen Verlagen publiziert. Sie wird an diesem Abend ihren Mystery-Thriller „Die Seelenspringerin“                       vorstellen, der gerade erst im Drachenmond Verlag erschienen ist.

 

 

 

Buchmesse Convent in Dreieich:BuCon Maskottchen

Mein erster Besuch bei Deutschlands großes Treffen für phantastische Literatur am Samstag, den

22. Oktober 2016. Freu mich auf bekannte Gesichter und neue Bekannte.

 

Frankfurter Buchmesse:

Sonntag, den 23. Oktober 2016. Mal sehen, wen ich hier alles treffe. Heike allein auf der großen Messe.

Ich bin gespannt.

 

Buch Berlin:

Auch die Buch Berlin werde ich unsicher machen. Vom 19. – 20. November 2016 ist es wieder soweit.

Dieses Mal nur als Besucher. Dafür aber mit einem besonderen Highlight: Im Vorfeld der Messe erwartet euch eine Gemeinschaftslesung

mit Sandra Florean und mir. Ein Abend mit Biss am Vorabend der BuchBerlin.

 

 

 

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Interview mit m(einem) Vampir

 

Es war wieder einmal spät geworden. Ich saß an meinem Schreibplatz im Esszimmer und grübelte über eine Szene für mein neues Manuskript. Die Nacht war sternenklar und wundervoll lau. Das silbrige Licht des Vollmonds fiel durch die weit geöffneten Fenster und beleuchtete meine Umgebung in ausreichendem Maße, so dass ich auf die elektrische Beleuchtung verzichtet und lediglich einige Kerzen aufgestellt hatte. In dieser romantischen Umgebung sollte es mir also nicht schwer fallen, einige vernünftige Sätze zu Papier zu bringen.

Plötzlich verdunkelte eine Wolke den Mond. Es wurde kühl im Raum und der Nachtwind wehte die leichten Vorhänge weit ins Zimmer hinein. Ich drehte mich um, um die Terrassentür zu schließen, da schrak ich heftig zusammen. Das flackernde Kerzenlicht gaukelte mir eine dunkle Silhouette in der geöffneten Tür vor. Mein Herz machte einen erschrockenen Sprung, da blies der Wind die Wolken vom Nachthimmel und das Licht des Mondes fiel nun auf die dunkle Gestalt. Eine große dunkle Gestalt! Ganz in Schwarz gekleidet und mir sonderbar vertraut. Lässig, mit überkreuzten Beinen und verschränkten Armen, lehnte sie sich gegen die Türbrüstung. Das war – aber das war doch unmöglich – Raffael???!!! Ich öffnete meinen Mund zu einem verspäteten Schrei, aber schon einen Wimpernschlag später stand er vor mir und legte mir mit verschwörerischer Miene den Zeigefinger auf die Lippen. Verstört hielt ich inne.

„Du willst doch wohl nicht das Haus wecken, meine Liebe?“, schmeichelte seine samtige dunkle Stimme meine Sinne.

Ich blickte ihm in die amüsiert funkelnden Augen und musste aufpassen, um nicht in deren blauen Tiefen zu versinken. Ich räusperte mich und fragte konsterniert: „Du bist eine Sinnestäuschung. Das kann überhaupt nicht sein. Du bist lediglich ein Produkt meiner Fantasie, meinem Kopf.“

Raffael grinste. „Nun, dann aber aus einem sehr kreativen hübschen Köpfchen.“

Ich beschloss seine Anwesenheit als gegeben hinzunehmen, ignorierte seine Schmeichelei und fragte geradeheraus: „Was machst du hier?“

„Ich beobachte dich und ich frage mich, was du da Schönes schreibst.“ Dabei drehte er den Bürostuhl mit mir zusammen wieder zu dem Laptop um, stellte sich hinter mich und stützte sich mit beiden Händen rechts und links neben dem Computer auf. Ich versuchte den Laptop zu schließen, aber Raffael schob sanft meine Hände zur Seite. Aufmerksam las er die letzte Szene durch, die ich zustande gebracht hatte. Langsam richtete er sich auf und setzte sich neben mich. Vorsichtig richtete ich meinen Blick auf ihn. Ich konnte seine Enttäuschung fühlen. Stirnrunzelnd stellte er fest: „Du schreibst ja eine ganz neue Geschichte. Offensichtlich nichts von mir. Du enttäuscht mich, meine Liebe. Wer ist dieser Assardor? Ist er so gut wie ich? Sicher nicht“, beantwortete er gleich selbst seine Frage. „Für die sinnlichen Szenen mit Kate und mir hast du nie diese Stimulationen benötigte“, erwiderte er mit arroganter Miene und wies mit ausladender Geste auf die vielen Kerzen und das schummrige Licht. Er beugte sich über mich und blickte mir direkt in die Augen. „Gib es doch zu: Ich bin dir doch nie aus dem Kopf gegangen.“

Ich war perplex. Raffael war tatsächlich so überheblich wie ich ihn beschrieben hatte. Ich öffnete den Mund zu einer Entgegnung, schloss ihn dann aber gleich wieder resigniert, da mir dazu einfach nichts mehr einfiel.

Raffael war mir so nahe, dass ich seinen Atem heiß in meinem Nacken spürte. Die feinen Härchen stellten sich schützend auf und eine wohlige Gänsehaut überzog meine Haut. Ich musste achtgeben, dass ich seinem Charme nicht verfiel. Dieser verfluchte Kerl.

Energisch schob ich ihn weg und sah im fest in die Augen. „Du hast doch nicht etwa vor, mich auf eine ganz und gar unfaire Art und Weise zu beeinflussen?“ Ich verschränkte ein wenig schützend, wie ich mir eingestehen musste, die Arme vor meiner Brust. Mit Unschuldsmiene legte er den Kopf schief, als wollte er sagen, ich doch nicht. Ohne auf seine Antwort zu warten, fuhr ich fort. „Ich brauchte mal ein bisschen Abstand. Diese Geschichte handelt ausnahmsweise mal nicht von Vampiren und das tut mir auch mal ganz gut. Außerdem fehlt mir für die Fortsetzung irgendwie ein vernünftiger Bösewicht.“

Raffael lächelte überlegen. „Da könnte ich dir durchaus einen Denkanstoß geben, liebste Autorin. Was hältst du von…“,

Ich unterbrach ihn rigide. „Halt, stop. Nicht so laut. Meine Leser sollen doch nicht alles erfahren.“

Er blickte sich hektisch um, nickte dann aber wissend. „Ah, ich verstehe, du willst das hier veröffentlichen?“

Ich nickte beinahe entschuldigend. „Ist doch ein toller Aufmacher. Und die Leser glauben mir das   doch sowieso nicht. Also…“, ich zuckte mit den Schultern.

Raffael grinste. „Nun gut, dann werde ich dir den Namen der Person ins Ohr flüstern.“

Ich hörte aufmerksam zu und musste dann zustimmend und bewundernd lächeln. „Stimmt, diese Person ist mir doch glatt entfallen.“ Ich rieb mir das Kinn. „Damit ließe sich tatsächlich etwas anfangen. Sobald ich die Geschichte mit der entzückenden Leah und dem Assardor beendet habe, werde ich mich daran machen. Wenn du aber schon einmal da bist. Hast du ein bisschen Zeit und Lust auf ein kleines Interview?“

Mit dieser einen, mir so vertrauten Geste, schob er skeptisch seine rechte Augenbraue empor. Es war geradezu unheimlich diese fleischgewordene Romanfigur zu beobachten, die genauso agierte und sich bewegte, wie ich sie beschrieben hatte. Dann jedoch nickte er bejahend.

„Nun gut, meine Liebe. Was willst du wissen? Ich empfinde den Kerzenschein ja bereits als äußerst stimulierend, aber hast du unter Umständen noch einen anständig abgelagerten Rotwein in deinem Keller?“ Seine Lippen verzogen sich zu einem sarkastischen Grinsen. „Ich kann ja wohl eher nicht…“

Ich unterbrach ihn spöttisch. „Nein, davon kannst du tatsächlich nicht ausgehen. Leider ist mein Kühlschrank nicht mit Blutkonserven in den verschiedensten Blutgruppen ausgestattet“, zitierte ich grinsend meine Romanfigur Siobhán. „Aber mit einem schönen Rotwein kann ich dir wirklich dienen.“

Nachdem wir es uns mit einem Glas Rotwein auf meinem Sofa gemütlich gemacht hatten, ich Bleistift gespitzt und ein Notizheft auf den Knie bereit gelegt hatte, blickte ich ihn erwartungsvoll an.

Unerwarteter Weise fing er an zu lachen. „Wenn du jetzt noch deine Brille in die Haare zurückschiebst und auf dem Bleistift herumkaust, siehst du so aus wie eine rothaarige Ausgabe von Louis Lane. Einfach entzückend.“

Ich betrachtete ihn skeptisch, ging dann aber gutgelaunt auf seine Bemerkung ein. „Lass mal deine Süßholzraspelei beiseite. Ganz nebenbei bemerkt: Mit kurzen zurückgegelten Haaren und einem blauen Trikot mit einem roten „S“ auf der Brust, würdest du vermutlich einen interessanten Superman abgeben.“  Ich überlegte eine Weile. „Das wäre doch ein bisschen heftig. Ein blutsaugender Clark Kent“, ich prustete los.

„Können wir jetzt vielleicht beginnen?“, fügte er ein wenig gekränkt ein. Ich nickte und wurde wieder ernsthaft. „Gut. Was möchtest du wissen“, fragte Raffael.

Ich schob mir meine Haare hinters Ohr zurück und überlegte einen Moment. „Wie hat die Geschichte denn aus deiner Sicht begonnen. Hast du schon länger nach deiner Auserwählten Ausschau gehalten?“

Er schüttelte den Kopf. „Vater hatte ja drei Jahre, bevor unser Roman ansetzt, sein Amt niedergelegt und war mit meiner Mutter zusammen nach Italien gezogen. Vorgezogener Ruhestand sozusagen.“

  Interessant, machte ich mir eine gedankliche Randnotiz, er sagt unser Roman.

„Nun ja“, fügte ich hinzu. „Irgendwann musste das Zepter ja zu dir übergehen und du zum Vampirfürsten gekürt werden. Dein Vater hatte das Amt doch schon einige Zeit inne.“

Raffael holte tief Luft, bevor er sich zu einer Antwort bequemte. „Wenn du mich fragst, hatte er es einfach satt. Er war amtsmüde. Und ganz ehrlich – Sam und Ricco haben die beiden zur Weißglut gebracht.“

Ich verzog überrascht das Gesicht. „Du meinst, Geoffrey hat hingeschmissen, weil er mit der Erziehung von den Zwillingen überfordert war?“

„Na ja“, erwiderte er gedehnt. „Das war es nicht nur. Aber eben der i-Punkt auf seinem Entschluss. Außerdem war er der Meinung, ich sei alt genug, mich der Verantwortung zu stellen. Pah. Da hat er mir ja ein schönes Stück Arbeit hinterlassen. Ich habe die ganzen letzten Jahre gebraucht, um mir die Achtung und den Respekt der Clans zu erkämpfen und meinen Führungsanspruch über die Vampirnation zu erhalten. Nun gut“, fügte er hinzu. „bei meinem angeborenen Charme und meinen Führungsqualitäten, der Durchsetzungsfähigkeit, gepaart mit meinem unverschämt guten Aussehen bestand zu keinem Zeitpunkt die Gefahr, dass mir das misslingen könnte.“

Ich sackte entnervt in mich zusammen und verdrehte möglichst unauffällig die Augen.

Er überging meinen nonverbalen Einwand nonchalant und fuhr fort. „Wie gesagt, ich hatte mich gerade eingearbeitet und alles lief wie es laufen sollte, da brachte sich Dexter ins Spiel.“ Raffael schnaubte verächtlich.

„Wie meinst du das.“

Ein intensiv blauer Blick traf mich.

„Ich liebte die Frauen und die Frauen liebten mich“, fuhr er zusammenhangslos fort. „Sie vergötterten mich und ließen sich nur allzugern von mir flachlegen.“ Er lächelte, als er mein Zusammenzucken bemerkte. Das war eigentlich eine Ausdrucksweise, die ich ihm niemals in den Mund gelegt hätte. „487 Jahre sind eine lange Zeit. Zeit für vieles. Ich habe mir zwar nie sehr viel aus Beziehungen zu anderen Unsterblichen gemacht, es hat sie natürlich gegeben. Meine Bedürfnisse nach körperlicher Nähe habe ich eher mit denen nach Nahrung kombiniert. Blut und Sex sind eine unschlagbare Mixtur des Lebens. Es war eine schöne Zeit, in der ich frei und ungebunden tun und lassen konnte, was ich wollte.“

„Und dann kam Dexter“, erinnerte ich ihn sacht an den Beginn seiner Rede.

„Stimmt. Dexter. Meine Gefolgsleute brachten mir immer häufiger Nachricht, dass Dexter auf der Suche nach meiner Auserwählten sei. Das brachte mich, wie du dir vorstellen kannst, zur Weißglut. Ich hatte weiß Gott noch nicht vor, mich zu binden, aber ich konnte diesem dunklen Vampir auf keinen Fall das mir bestimmte Weib in die Hände fallen lassen.“

„Das hätte dich deine Vormachtschaft gekostet. Du brauchtest deine Vertraute an deiner Seite, um zu herrschen. Du hättest ganz schön dumm ausgesehen, wenn Dexter sie dir vor der Nase weggeschnappt hätte“, ergänzte ich. Das brachte mir einen weiteren bösen Blick ein.

„Du sagst es. Es gab für mich nur diese eine Möglichkeit, um den Fortbestand der Herrscherfamilie zu sichern und mir so die Achtung der Clans zu erhalten. Ein Fürst ohne die Chance auf Nachwuchs ist chancenlos, auf Dauer die Führung zu behalten. Und das wusste natürlich auch Dexter. Ich war also gezwungen, meine Fühler nach dieser ominösen Auserwählten auszustrecken. Dabei fühlte ich mich mit meinen knappen 487 Jahren einfach noch viel zu jung, um mich für immer zu binden.“

„Quasi blutjung“, warf ich mit einem unschuldigen Blick ein.

Ich befürchtete schon, ich hätte übertrieben, da nahm er den Faden wieder auf.

„Ganz genau“, nickte er zustimmend, dann sah er sich um, ob auch niemand weiter im Raum wäre. „Das darfst du jetzt aber auf keinen Fall Cathleen weitererzählen. Hörst du? Ich hatte vor, diese Auserwählte zu suchen, sie zu meiner Fürstin zu machen, Kinder zu zeugen und dann mit meinem Leben wie bisher weiterzumachen.“

„Das Leben eines ungebundenen Junggesellen, eines Casanovas“, führte ich weiter aus.

Raffael nickte. „Ja. Ich wollte meine netten kleinen amourösen Zeitvertreibe weiterführen, nachdem ich quasi meine Pflichten als Landesvater erfüllt hatte. Meine Auserwählte hätte ja auch eine dumme kleine kichernde Gans sein können, oder von nicht gerade einnehmendem Äußeren. Verstehst du?“

Oh ja, ich verstand ihn ganz genau. Er, der große Verführer und Führer der gesamten Vampirnation, musste sich den Regeln beugen, die vor Jahrhunderten vom Hohen Rat beschlossen worden waren. Seine Meinung und seine Vorlieben spielten überhaupt keine Rolle, waren absolut irrelevant. Das musste diesen Mann natürlich mächtig wurmen. Ich nickte verständnisvoll.

„Na und mit Kate hast du mir ja vielleicht einen Wirbelwind an die Seite gestellt. Hättest du für mich nicht eine etwas umsichtigere Person erfinden können?“, fragte er mich vorwurfsvoll.

„Würdest du sie denn wirklich anders wollen? Denk einmal darüber nach, Raffael“, wollte ich wissen.

Er seufzte abgrundtief. „Das weißt du doch ganz genau. Natürlich nicht. Sie hat mein Leben umgekrempelt. Ich wusste nicht, was Liebe ist. Nicht die körperliche, obwohl…“, er grinste anzüglich. „… die ist ja auch nicht zu verachten. Nein, ich liebe sie bis zur Selbstaufgabe. Sie ist mein Leben!“

„Was habt ihr denn jetzt weiter vor? Kommt Alessandra langsam mal wieder klar? Sie kann doch nicht ewig sauer auf Kate sein“, fragte ich neugierig.

„Mütter“, stieß er angestrengt vor. „Es können die sanftesten Wesen dieser Welt sein. Aber auch so was von stur. Und meine Mutter ganz besonders. Aber mach dir mal keine Sorgen. Ich werde mich schon um meine Mutter kümmern.“

„Ach je, das klingt ja melodramatisch. Meinst du, du biegst das wieder zurecht?“

„Warte es ab“, lachte er mir ins Gesicht und wiederholte meine Bemerkung von vorhin., „Wir wollen doch nicht alles schon im Voraus verraten.“ Abrupt stand er auf. „Ich werde jetzt gehen“, sagte er.

„So plötzlich?“, ich war ein wenig irritiert. Hatte ich ihn beleidigt? „Ist etwas geschehen?“

„Zickenalarm im Haus McConnor“, erwiderte er kurzangebunden.

„Woher weißt…“, wollte ich wissen, bevor er mich herablassend unterbrach.

„Du hast doch zwischen Cathleen und mir diese mentale Verbindung geschaffen. Sie ruft mich. Also muss ich los.“

„Sehe ich dich wieder?“, rief ich ihm hinterher.

„So schnell wirst du mich nicht los, meine Liebe. Ich werde immer da sein“, fügte er im Fortgehen hinzu.

„Ist das eine Drohung oder ein Versprechen“, fragte ich ihn mäßig beunruhigt.

Raffael drehte sich noch einmal mit einem feinen Lächeln in den Mundwinkeln zu mir um. „Ganz wie es Euch beliebt, holde Erzählerin. Ganz wie es Euch beliebt.

Text  © Heike Rissel

 

 

 

 

   
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Leserkanone.de-Exklusivinterview vom 07.07.2016
 
Schon zweimal entführte Heike Rissel ihre Leser in eine Welt voller Licht, Schatten und Vampire. Im Interview mit Leserkanone.de sprach die Autorin über ihre Romane »Im Zeichen von Licht und Schatten« und »Schattenzeichen«, über die Schwemme an Vampirromanen der letzten Jahre und über ihre zukünftigen Projekte

Lesekanone, das ultimative Büchergericht hat ein total schönes Interview mit mir übers Schreiben, meine Bücher
und meinen Alltag veröffentlich. Wirklich toll und lesenswert. Schaut einmal rein!!!!!!!!!

http://www.leserkanone.de/index.php?befehl=autoren&autor=4917&interview=345

 

 

 

https://www.youtube.com/watch?v=fG5NZQVvBRg2016-01-30 Bericht PAZPeiner Allgemeine Zeitung, Ulrich Jaschek, 30.01.2016

 

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Es gibt von Schattenzeichen ganz neu einen Buchtrailer auf YouTube.

Veröffentlicht am 08.07.2015

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Letzte Aktualisierung vom: 22. März 2017